Besuch der Partnergemeinden von Rheinmünster vom 9. bis 13. Mai 2018

Veröffentlicht am 18.05.2018

Castelmayran / Rheinmünster

Am Mittwoch, den 9. Mai brach eine 41-köpfige Delegation aus Rheinmünster auf, um die Freunde in den Partnergemeinden im Südwesten Frankreichs zu besuchen. Mitglieder und Freunde des Deutsch-Französischen Freundeskreises e. V. aus allen Rheinmünsteraner Ortsteilen freuten sich, ihre teilweise langjährigen Freunde in Castelmayran und Umgebung wiederzusehen. Doch zuvor galt es, die Strecke von 1125 km zurückzulegen. Ziemlich genau um 21 Uhr empfingen uns unsere Gastgeber in Castelmayran.

Nachdem jeder seine Gastfamilie gefunden hatte, ging es nach Hause in die jeweiligen Gemeinden. Für die meisten Teilnehmer war es wie „Heimkommen“, da viele Verbindungen seit über 30 Jahren mit denselben Freunden bestehen. Aber auch alle Neulinge wurden vom ersten Moment an herzlich aufgenommen.

An Christi Himmelfahrt wurden wir zu einem gemeinsamen Frühstück im Centre Culturel Jules Fromage in Saint Nicolas de la Grave begrüßt. Nachdem wir uns gestärkt hatten, gab es eine Autokolonne zum nahegelegenen Kloster, der Abtei Belleperche.

Nach einem gemeinsamen Picknick stand der Nachmittag ganz im Zeichen des Kennenlernens aller an der Jumelage beteiligten Gemeinden.

So wurde zum Auftakt in St. Aignan unserem Bürgermeister Helmut Pautler eine ganz besondere Ehre zuteil: Er erhielt von Bürgermeister Jean-Marie Bence die Ehrenmedaille der Gemeinde, welches zugleich die erste Verleihung war, die an einen nicht in St. Aignan wohnenden Bürger vergeben wurde.

Auf der Fahrt nach Angeville, dessen Oberhaupt Jacques Jaubert uns dort begrüßte und die Schönheiten des Dorfes zeigte, konnten wir riesige Apfelbaumplantagen bestaunen. Nächste Station war Caumont, wo wir von Bürgermeisterin Monique Delzers mit Rundgang und Besichtigung der Kirche empfangen wurden.

Zum Abschluss zeigte uns Marie-Hélène Ricardo in Saint Nicolas de la Grave eine sehr alte Dorfkirche, die momentan aus Spendengeldern renoviert wird.

Der Abend wurde dann in den einzelnen Familien verbracht, wobei sich teils große Gruppen bildeten. Die Franzosen gaben sich alle Mühe, uns aufs herzlichste zu verwöhnen. Dabei wurde auch das ein oder andere Lied gesungen oder Anekdoten aus den zurückliegenden Besuchen ausgetauscht. Sprachbarrieren wurden mit viel Humor und Herzlichkeit genommen.

Am Freitagmorgen trafen wir uns alle in Castelmayran zur Busfahrt in die Cité de l’Espace bei Toulouse.

Dort angekommen, man sieht eine Nachbildung der Ariane 5 schon von weitem, wurden wir wie am Flughafen kontrolliert und eine ganze Tüte (Taschen-)Messer wurde eingesammelt. In Gruppen aufgeteilt (deutsch und französisch) gab es bei großer Hitze Führungen durch die Cité und anschließend Besuche des Imax und des Planetariums. Eindrucksvoll ist die Nachbildung einer Raumstation, die man besichtigen konnte.

Der Freitagabend stand dann ganz im Zeichen des Festes: des offiziellen Festaktes und des fröhlichen Beisammenseins. In der schön geschmückten Halle in Castelmayran wurde dem kürzlich aus seinem Amt ausgeschiedenen Bürgermeister Jean-Claude Giavarini eine große Ehre zuteil. Bürgermeister Helmut Pautler verlieh ihm die Goldene Verdienstmedaille der Gemeinde Rheinmünster.

In seiner Rede, die Aline Tittelbach aus Söllingen bravourös übersetzte, würdigte er die Verdienste Giavarinis um die deutsch-französische Freundschaft, die er über 35 Jahre lang aus innerer Überzeugung gefördert habe.Bürgermeister Pautler nahm dies zum Anlass, einen kleinen Rückblick über die Geschichte unserer Jumelage zu geben. Begonnen hatte alles 1956, als sich der Lehrer und Gemeindesekretär aus Castelmayran, André Saint-Paul, und der Stollhofener Bürgermeister Alois Dorsner trafen und beschlossen, eine Partnerschaft zwischen beiden Gemeinden zu gründen. Ein Jahr später besuchten 40 Einwohner aus Castelmayran erstmals Stollhofen. Im Jahr darauf starteten 39 Stollhofener zum Gegenbesuch. Dies war für die damalige Zeit, als in vielen Köpfen der zweite Weltkrieg noch sehr präsent war, eine ganz besondere Geste der Freundschaft.

In den folgenden Jahren gab es Besuche von Jugend- und Erwachsenengruppen unter der Leitung von Herrn Oberlehrer Hirth und Monsieur Raymond Mariet, 1966 konnte man das zehnjährige Bestehen feiern. Bis Anfang der neunziger Jahre gab es wechselseitige Besuche, nach dem Tod von Bürgermeister Dorsner überwiegend auf privater Basis. 1993 wurde auf Initiative von Raymond Mariet und den Bürgermeistern Jean-Claude Giavarini aus Castelmayran sowie Klaus Droll/Rheinmünster die Freundschaft wiederbelebt und ein Comité du Jumelage „Sère et Garonne“ gegründet, an dem neben Castelmayran dann die oben genannten weiteren Gemeinde teilnahmen. Auf deutscher Seite wurde mit dem „Freundeskreis“ die Stollhofener Freundschaft auf ganz Rheinmünster ausgedehnt. Aus ehemals 29 Gründungsmitgliedern ist die Zahl inzwischen auf etwa 110 gewachsen. 1995 wurde in Stollhofen in Anwesenheit von Bürgermeister Jean-Claude Giavarini der „Place de Castelmayran“ eingeweiht. In den folgenden Jahren wurden Friedensbäume gepflanzt, der Place de Saint Nicolas in Schwarzach eingeweiht und die Zahl bei den gegenseitigen Besuchen stieg auf über 50 Personen.

Ein Highlight der Jumelage war 2004, als Bürgermeister Giavarini zusammen mit einigen anderen, die Entfernung von 1125 km mit dem Fahrrad zurücklegte.

Jean-Claude Giavarinis folgende Ansprache und sein Dank wurden von seinem Enkel Lancelot Giavarini - in schicker Gardeuniform – übersetzt. Er erinnerte an seinen ersten Besuch im Jahre 1989, das 60jährige Jubiläum 2016 in Stollhofen und an die vielen gemeinsam gefeierten Feste. Er betonte, dass trotz dieser großen Entfernung die Freundschaft immer aufrechterhalten wurde und dankte allen Beteiligten von Herzen dafür. Schmunzelnd nahmen die Deutschen die Schlussworte von Jean-Claude Giavarinis Dankesrede auf: Ich bin ein Rheinmünsterer!

Für das Conseil départemental sprach die Vizepräsidentin Mme Mauriège M. Josée Glückwünsche aus. Sie erinnerte besonders an die Gründer der Jumelage und hielt vor Augen, was dies in der Nachkriegszeit bedeutete. Sie schloss mit der Botschaft „Vive la paix – es lebe der Frieden“, was mit großem Applaus bedacht wurde.

Zum Abschluss des offiziellen Teils wurde der nun amtierende Bürgermeister von Castelmayran, Thierry Jamain vorgestellt. In seiner kurzen Rede bekräftigte er, die Jumelage weiter aufrecht- und vorantreiben zu wollen, bekannte aber auch, dass er die Strecke nach Rheinmünster mit Sicherheit nie mit dem Fahrrad zurücklegen werde.

Der etwas regnerische Samstag war als Tag zur freien Verfügung von den Gastfamilien zu verplanen. Dies wurde rege genutzt, um uns die Schönheiten der Region zu zeigen. Und es war kein Zufall, dass sich unterwegs immer wieder einzelne Gruppen trafen. So besichtigte man u. a. eine Käserei (und kaufte eifrig ein), das Bergdorf Lachapelle mit seiner wunderschönen Barockkapelle sowie ein Museum für landwirtschaftliche Geräte und alte Berufe. Andere trafen sich in Moissac, einer Kleinstadt, mit einer wunderschönen, gut erhaltenen Abtei, wobei besonders der Kreuzgang für Staunen sorgte. Alle 76 Säulen/Kapitelle zeigen biblische Szenen auf. Da Moissac und ihre Abtei auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela in Spanien liegen, fielen auch die vielen Pilger mit Stock und Rucksack sowie das nahegelegene Pilgerheim auf.

Am Abend traf man sich wieder in kleinen oder größeren Gruppen bei Gastgebern zuhause, um bei einem kulinarischen Abend die Reise ausklingen zu lassen. Alle befanden einstimmig, dass sich eine Reise nach Castelmayran immer wieder lohne.

Am Sonntagmorgen ging der Abschied aufgrund des einsetzenden Regens relativ rasch über die Bühne, ohne jedoch hier und da ein paar Abschiedstränchen zu vergießen. Merci nos amis!!!

Ein herzlicher Dank geht von den Teilnehmern der Fahrt an den Vereinsvorsitzenden Heiner Tittelbach für die hervorragende Organisation sowie an Marina Radau und Dietmar Frietsch von der Gemeinde Rheinmünster, die ihn in besonderer Weise unterstützt haben.

 

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